<紀要論文>
アンティポーデの闇 : ブレンターノ/ゲレスの『時計職人ボークスの不思議な物語』

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概要 Im 19. Jahrhundert entwickelte die deutsche Musik allmählich zwei Gesichter, indem man einerseits darin eine gesellige Zerstreuung suchte und sie andererseits tendenziell wie Schopenhauer, Kierkegaard... und Nietzsche zur Metaphysik zählte. Diesen Januskopf hat die deutsche Literatur unter dem Einfluss des musikästhetischen Paradigmenwechsels um 1800 poetisch entworfen, indem sie leidende oder verzweifelnde Musikerfiguren in der Diskrepanz zwischen künstlerischem und bürgerlichem Leben dargestellt hat. Die Tonkunst muss, nach Johann Mattheson, nicht aus den Pfützen der Arithmetik, sondern aus dem Brunnen der Natur ihr Wasser schöpfen. Es geht um das Leiden des Künstlers, wobei die Poesie mit der absoluten Musik zu identifizieren und für flüssig zu halten ist. Die Wassermetaphorik wurde vor allem in der deutschen Romantik gern verwendet, weil die Musik wie eine rätselhafte Flüssigkeit beruhigend oder anregend auf die Menschenseele wirkt. Die ursprüngliche Zaubermacht der Musik und ihre wiederbelebende Wirkung zeigen sich dort, wo die Sirenen beginnen über die betörenden Stimmen als Mittel der Verlockung zu verfügen. In der deutschen Romantik stehen die Wasserfrauen oft selbstreflexiv für die treibende Kraft im literarischen Schaffen, so dass sich dort gern Dichter und Schriftsteller ihrer betörenden Stimme oder der musikalischen Poesie oder der Musik als solcher aussetzen. Um die Auffassung des Musikalischen als Medium der unlesbaren Natur in den deutschen Künstlerromanen geht es höchst parodistisch in einem Gemeinschaftswerk von Brentano und Görres: „Entweder wunderbare Geschichte von BOGS dem Uhrmacher, wie er zwar das menschliche Leben längst verlassen, nun aber doch, nach vielen musikalischen Leiden zu Wasser und zu Lande, in die bürgerliche Schützengesellschaft aufgenommen zu werden Hoffnung hat, oder die über die Ufer der badischen Wochenschrift als Beilage aufgetretene KONZERT-ANZEIGE. Nach der Herren BOGS wohlgetroffenem Bildnisse und einem medizinischen Gutachten über dessen Gehirnzustand“. Die Philistersatire von 1807 hat den Konflikt zwischen den Protagonisten der Heidelberger Romantik auf der einen sowie Johann Heinrich Voß und das „Morgenblatt für gebildete Stände“ auf der anderen Seite so heftig eskalieren lassen, dass jene nach und nach Heidelberg verlassen mussten. Die literarische Zusammenarbeit zur Frontstellung gegen das bürgerliche Philistertum hat einen Konflikt zwischen den beiden Angesichten hinter sich. Als Hauptfigur ist zwar BOGS, dessen Name die Solidarität von BRENTANO und GÖRRES markiert, zu nennen, dieser verfügt aber über einen Januskopf, ist cholerisch sowie sanguinisch und verliert schließlich diese Doppelgesichtigkeit, wenn der Choleriker entweicht und der Sanguiniker in der bürgerlichen Gesellschaft zurückbleibt. Wie der lange Titel anzeigt, besteht die Zusammenarbeit aus vier größeren Texten, dem Aufruf der bürgerlichen Schützengesellschaft, den Selbstbekenntnissen von BOGS dem Uhrmachermeister, seinem Konzertbericht sowie dem medizinischen Gutachten über seinen Gehirnzustand. Es handelt sich bei dem satirischen Allerlei nicht um ein System der Einheit, sondern um eines der Spaltung, weil es über eine doppelgesichtige Gesamtstruktur verfügt. Nichts stellt die Diskrepanz zwischen dem introvertierten Kunst- und dem extrovertierten Lebensgefühl so gut und satirisch dar wie die BOGS-Erzählung. Es geht um ein nach innen gerichtetes Musikerlebnis, das im Gehirn des Uhrmachers einen für die bürgerliche Ordnung ziemlich gefährlichen Choleriker heranbildet. Das musikalische Künstlertum zeigt sich in der Erzählung als „jene lose[n] Vögel, Zifferfeide und Ungeziefer“, die die bürgerliche Schützengesellschaft abschießen soll. Es handelt sich also bei dem cholerischen Musik-Schwärmer um einen Antipode, der dem sanguinischen Bürger gegenübersteht und an einem dem nüchternen Philistertum entgegengesetzten Punkt wohnt. Die BOGS-Erzählung schwimmt mit dem Strom der Poetik von Wasser sowie Wasserfrauen. Das Konzert setzt mit dem „Sturm einer Haidnischen Symphonie“ ein, der aus biblischem, heidnischem und literarischem Allerlei besteht. Die Musik wirkt ohne weiteres auf den Uhrmacher wie ein Halluzinogen und führt ihn in die phantastischen Wassertiefen. Dort reicht ihm eine Sirene „einen Trunk aus dem Becher von Thule […], sie sang zu ihm, sie sprach zu ihm, da wars um ihn geschehn, halb zog sie ihn, halb sank er hin, und ward nicht mehr gesehn“. Was „der Fischer“ von Goethe hört, ertönt, wie Baudelaire und C. G. Jung meinen, aus den Abgründen seines eigenen Inneren her, und die „Ballade“ eines „feuchte[n], Weib[es]“ sinkt in die Tiefen seines Gemütes zurück. Wie Monika Schmitz-Emans bemerkt, handelt es sich dabei um eine komplexe Erfahrung, die das neuzeitliche Ich nicht nur mit der Fremde der äußeren Wirklichkeit, sondern auch mit den fremden Seelentiefen macht. Brentanos und Görres Erzählung, die die musikalische Odyssee von BOGS darstellt, erbt nicht nur von Goethe die Wasserfrau-Poetik, sondern auch von Wieland das literarische Rokoko, so dass die Sirene nur auf den Wellen der rhetorischen Allerlei-Diskurse treibt und nicht zu Herzen dringt. Zum Kern der literarischen Parodie stößt es vor, dass ein Arzt als „ein anderer Orpheus“ in die Finsternis des Gehirns von dem Uhrmacher oder einem sogenannten Odysseus hinabsteigt, obwohl die parodistische „Ballade“ nicht in die Tiefen des menschlichen Gemütes sinkt. Das literarische Erzählen richtet sich gern auf etwas, das absolut fremd, das unsagbar oder unerkennbar ist, und versucht, es bekannt und erzählbar zu machen, wobei es freilich nicht immer verständlicher wird. Für die Poesie bedeutet es eine Herausforderung, dieses Fremde in der Sprache einzufangen, obwohl es auch oft unentziffert bleibt und sie sich nicht selten um das Rätsel herum nur in einem bestimmten Kreis bewegt. Aber diese literarische Kreisbewegung entfaltet sich schraubenförmig und noch komplexer, so dass an der Grenze zwischen dem Eigenen und dem Fremden eine neue Poesie entsteht. Brentano und Görres versuchten im Musikreich Deutschland zum ersten Mal scherzhaft, die unsagbare Musik und ihre Rezeption erzählbar zu machen, wobei sich aus der Finsternis des Antipoden nicht das Gesicht eines leidenden Künstlers, sondern der Januskopf eines gespaltenen Jahrhunderts zeigt.続きを見る
目次 一. 十九世紀 二. ヤヌスの乖離 三. 分裂の諸相 Exkurs. 闇の系譜 四. 奇妙な発作 五. 水の女

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登録日 2012.05.24
更新日 2021.03.03

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